„Hey!, concara?“ - alle Seminaristinnen und Seminaristen heben die Hand und ahmen die Geste der Theaterpädagogin Anna Stoß nach. Ein Spiel zum Aufwärmen beginnt, bei dem sich zum Affen machen dazu gehört, um jegliche Hemmungen vor den anderen fallen zu lassen. ...

... Was ist wichtiger, als sich beim Schauspielen wohlzufühlen, zu einer Gruppe zu gehören und völlig in einer Rolle aufzublühen? Anna schafft es, dass sich keine Teilnehmerin und auch kein Teilnehmer mehr geniert und alle mit Feuereifer bei der Sache sind.

Auf diese Weise wollte uns Anna in einem kleinen Theaterworkshop auf unseren anschließenden Besuch der Vorstellung „Die Ratten“ von Gerhart Hauptmann im Schauspiel Frankfurt vorbereiten. Aber wer erwartet schon, was alles passieren muss, bis es zur eigentlichen Premiere eines Stückes kommen kann? Den Einstieg des Workshops haben wir in Form einer kleinen Führung auf der großen Bühne mit dem bereits aufgebauten Bühnenbild gemacht, wo wir die Sicht der Schauspieler in den Zuschauerraum nachempfinden konnten und den Technikern bei den letzten Verkabelungen und Installationen zusehen durften. Das gigantische Ausmaß der größten Sprechbühne Deutschlands verblüffte uns. Danach ging es für uns zu Fuß gefühlte 10 Stockwerke hoch und eine halbe Weltreise quer durchs Schauspiel, bis wir endlich im Ballettsaal ankamen. Auf dem Weg dorthin durften wir einen kurzen Blick in die Räume der Schneider/-innen werfen, in denen jeder Schauspieler maßgeschneiderte Kostüme bekommt.

Mit verschiedenen Szenen aus den „Ratten“ konnten wir wesentliche Schritte einer Inszenierung ausprobieren und waren damit erwartungsvoll auf den Vorstellungsbesuch eingestimmt. Dass wir ganz bei der Sache waren, hatte leider einen Nebeneffekt: Restlos alle vergaßen wir Fotos von der tollen Räumlichkeit zu machen. „Die Ratten“ hatten wir vorher bereits im Unterricht gelesen und besprochen und waren daher um so mehr über die Modernität des Bühnenbildes und der Figurengestaltung erstaunt. Spitta im Ballettrock, Bruno auf dem Fahrrad und alles in einem experimentellen Hamsterrad - ganz schön durchgeknallt! Die generelle Fragestellung dieser Spielzeit, »Morgen ist heute_ Wie wollen wir leben?« , ist dadurch schon angerissen, einfach zu beantworten aber ist diese Frage nicht. Trotzdem gab uns dieser Besuch des Schauspiels Frankfurt viele Denkanstöße, sodass wir möglichst bald wieder diese Anregungen suchen wollen. Uns Seminaristinnen und Seminaristen hat der Besuch im Schauspiel inklusive Workshop sehr gut gefallen und wir hoffen deshalb, dass auch andere Kurse diese Gelegenheit nutzen und das Schauspiel Frankfurt besuchen.