„Mein Traum für die Zukunft“ lautete die Aufgabe für den Schreibwettbewerb der Eckenroth Stiftung und Pen Paper Peace e.V. in diesem Jahr, an dem sich Schülerinnen und Schüler von 10 bis 14 Jahren beteiligen konnten. Unter den 180 Einsendungen wurden 10 Preisträgerinnen und Preisträger ausgewählt ...

... und Johanna Schrauder aus unserer 9a zählte dazu. Ihr Text „Die Busfahrt“ wird nun in einer Anthologie , einem Sammelband zum Thema Zukunftsträume, abgedruckt und Johanna ist eingeladen, sich als Stipendiatin für das Förderprogramm der Eckenroth Stiftung zu bewerben. Vielleicht bekommt das SGA in Zukunft doch noch eine Autorin. Das wäre traumhaft! Vorerst gratulieren wir unserer Preisträgerin ganz herzlich und wünschen weiterhin viel Erfolg mit dem Schreiben. Da Johannas Kurzgeschichte ausgezeichnet zu unserem Ziel einer Schule ohne Rassismus und mit Courage passt, hier der preisgekrönte Text von Johanna:

 

Die Busfahrt

Ich sitze im Citybus, meinen Sportbeutel auf dem Schoß, und freue mich auf‘s Fußballtraining. Eigentlich bin ich ziemlich schlecht im Busfahren (was damit in Zusammenhang stehen könnte, dass ich nicht viel Übung habe), aber bisher ist alles gut gegangen, nicht wie beim letzten Mal, wo ich erst in den falschen Bus gestiegen bin. Als der Bus anhält, steigen eine Frau mit Kopftuch und ein Mädchen, grob in meinem Alter, ein. Beide sind mit jeweils mindestens drei Taschen und Tüten beladen. Diese stellt die Frau jetzt im Gang ab und anschließend setzen sich die beiden zu mir; die Frau neben mich, das Mädchen mir gegenüber. „Wieso müssen die sich ausgerechnet zu mir setzen?“, geht es mir durch den Kopf und gleichzeitig schäme ich mich für diesen Gedanken. Wieso will ich nicht, dass die zwei sich zu mir setzen? Hängt das jetzt damit zusammen, dass die Frau ein Kopftuch trägt? Ich glaube nicht. Wahrscheinlich würde ich dasselbe bei jedem anderen auch denken. Auf unserer theaterpädagogischen Klassenfahrt habe ich gelernt, dass jeder Mensch so eine Art einprogrammierten Sicherheitsabstand hat. Wenn ein Fremder einem zu nahe kommt, was in Bussen ja nicht gerade selten vorkommt, fühlt sich das komisch an. Also bin ich wohl eher nicht rassistisch. Jedenfalls lächle ich das Mädchen jetzt offen an - und sie lächelt freundlich zurück. Man glaubt gar nicht, wie schön es sein kann, einfach nur angelächelt zu werden. Die Frau fragt das Mädchen etwas in einer mir unbekannten Sprache und sie antwortet. Ich lausche interessiert dem Klang der Worte, verstehe aber natürlich nichts. Mal wieder hält der Bus, bald muss ich aussteigen. Das Problem ist nur, dass ich nicht wirklich an eine der Stopp-Tasten rankomme – im Gegensatz zu dem Mädchen. Soll ich sie fragen? Deutsch kann sie bestimmt, aber traue ich mich? Na gut, ich tu‘s. Ich schenke dem Mädchen ein Lächeln und frage freundlich: „Könntest du bitte mal den Knopf drücken?“ Sicherheitshalber zeige ich noch auf die Haltetaste, aber sie hat mich schon verstanden. „Natürlich“, entgegnet sie lächelnd und drückt den Knopf. So einfach war das. Ich bedanke mich und steige bald aus. Das Lächeln behalte ich im Gesicht und die Wärme im Herzen. Ich wusste nichts von diesem Mädchen. Aber das war auch nicht nötig, um sie einfach nur von Herzen anzulächeln. Ein ehrliches Lächeln unterscheidet nicht Bekannte und Fremde. Fremde, von denen in Bussen ja viele anzutreffen sind, jeder mit seiner eigenen Geschichte. Und doch kann man sie alle anlächeln. Nur tun das die wenigsten und schauen stattdessen zum Beispiel auf ihr Handy. Warum? Ich glaube, sie haben einfach Angst, sind vielleicht schüchtern. Aber Lächeln ist doch so einfach. Es rettet vielleicht nicht die Welt, kann sie aber doch ein gutes Stück besser machen. Also, Leser, entscheide dich! Entscheide gut. Lächle! Tu es einfach! Verbessere die Welt!