Selbstverständnis des Faches Ethik

Ethik ist einerseits weltanschaulich neutral ausgerichtet, hinsichtlich der Einordnung und Bewertung von moralischen Handlungen aber eben niemals neutral, sondern wertorientiert – am Grundgesetz, der Bayerischen Verfassung und allen sich aus diesen gesetzlichen Grundlagen abgeleiteten Wertvorstellungen und Grundsätzen. Pluralität der Bekenntnisse und Wertanschauungen werden dabei in diesem Rahmen berücksichtigt und „gepflegt.“ Es ist erklärtes Ziel, den Schülerinnen und Schülern in allen Jahrgangsstufen, ihr Alter und ihre Persönlichkeitsentwicklung berücksichtigend, verlässliche moralische Orientierung zu geben. Schritt für Schritt sollen sie befähigt werden, auf Basis lebenspraktischer Einsichten und mit zunehmender Kenntnis grundlegender philosophischer Positionen, moralische Entscheidungen eigenverantwortlich zu treffen und diese zu begründen. 

 

Zielgruppen  des Ethikunterrichts

Prinzipiell richtet sich der Ethikunterricht an diejenigen Schülerinnen und Schüler, die weder den katholischen noch den evangelisch- lutherischen Religionsunterricht besuchen wollen, weil sie anderen Religionsgemeinschaften angehören oder konfessionslos sind. Thematisch (vgl. die Lehrpläne für Ethik, katholische und evangelische Religionslehre) gibt es wesentliche Überschneidungen mit Lehr- und Lerninhalten der drei  Fächer, was besonders für die Oberstufe gilt. In der Q12 sind die Fragestellungen zu den ethischen Kompetenzen bezüglich der Orientierung im Wertepluralismus und hinsichtlich der aktuellen Herausforderungen in allen diesen Fächern sehr ähnlich. 

Schülerinnen und Schüler, die konfessionell gebunden sind und dennoch im Laufe ihrer Schulzeit aus Gewissensgründen in den Ethikunterricht wechseln wollen, brauchen in Bayern, so sie unter 18 sind, die Zustimmung der Erziehungsberechtigten zur Abmeldung vom Religionsunterricht. Es sei noch darauf hingewiesen, dass die Religionsmündigkeit mit der Vollendung des 14. Lebensjahres beginnt.

 

Die Feststellungsprüfung im Fach Ethik und der Unterricht in der Oberstufe

Die Prüfung über den Ethikstoff der 10. Klasse als „Feststellungsprüfung“ erfolgt entweder am Ende des 10. Schuljahres oder zu Beginn der Q11. Sie ist nur zu absolvieren, wenn die Schülerin bzw. der Schüler in der 10. Klasse noch den jeweiligen konfessionellen Religionsunterricht besucht hat und im Rahmen des Wechsels in den Ethikunterricht ab der Q11 in Erwägung zieht, in diesem Fach schriftlich oder mündlich das Abitur abzulegen.

Wer sich sicher ist, zwar den Ethikunterricht besuchen und „nur“ Halbjahresleistungen einbringen zu wollen bzw. zu müssen, das Abitur aber nicht in diesem Fach ablegen will, braucht sich dieser Feststellungsprüfung nicht zu unterziehen. Für alle in der Oberstufe gilt, dass das Fach, genauso wie Religion, vier Kurshalbjahre  verpflichtend zu belegen und die vorgeschriebene Zahl von Halbjahresleistungen einzubringen ist. 

Ergänzend zur Oberstufe sei noch hinzugefügt, dass das Interesse der Schülerinnen und Schüler an Philosophie (der Antike, der Aufklärungsepoche und der Gegenwart) wie an lebenspraktischen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen gleichermaßen  Voraussetzung und Ziel des Faches ist. Sich philosophisch mit den existentiellen Fragen auseinanderzusetzen bedeutet und verlangt viel mehr, als „gefühlte Meinungen“ zu äußern. Gleiches gilt für die Kultur der Herangehensweise an die Aufgaben in schriftlichen und mündlichen Prüfungssituationen: Systematisches und abstraktes Denken im Sinne der verschiedenen philosophischen Richtungen (Wie argumentiert beispielsweise ein Immanuel Kant, wie ein Hans Jonas?) muss erlernt  geübt und angewendet werden.

  

Organisation des Faches Ethik am Spessart-Gymnasium

Ethik wird in allen Jahrgangsstufen unterrichtet, ohne dass jahrgangsübergreifende Kopplungen gebildet werden müssen. Waren es früher noch kleine Lerngruppen, so muss auch Ethik sich in einzelnen Gruppen bzw. Kursen mit stetig wachsenden Schülerzahlen arrangieren. Meistens gelingt es in der Unter- und Mittelstufe, die Gruppen unter 30 Teilnehmern zu halten, aber nicht immer. Im aktuellen Schuljahr ist uns das mit viel Mühe und Kompromissbereitschaft gelungen (anders als noch 2015/16). In der Oberstufe hingegen bewegen sich die Schülerzahlen in den vier aktuellen Kursen zwischen 25 und 31 Teilnehmern pro Kurs.

Einzelheiten zu den Inhalten und Schwerpunkten des Faches von den Jahrgangsstufen 5 bis 12 entnehme man dem Lehrplan: www.isb-gym8/Ethik

 

Materialien bzw. Lehrwerke

Neben ausgewählten Einzeltexten, die nach wie vor als Fotokopien zur Verfügung gestellt werden, arbeitet die Fachschaft mit zwei parallelen Lehrwerken in der Unter- und Mittelstufe: 

  • Die Reihe „Forum Ethik“ des Auerverlags
  • Die Reihe „Abenteuer Ethik“ des Büchner Verlages

In der Qualifikationsphase setzen wir „Kolleg Ethik 1 und 2“ des Büchner Verlages ein.

Mit Beginn des neuen Schuljahres 2017/18 wird für die Jahrgangsstufe 5 ein neues Buch eingeführt, um dem dann gültigen „Lehrplan Plus“ Rechnung zu tragen.

 

In allen Jahrgangsstufen kommen zudem audiovisuelle Medien (Reportagen zu aktuellen Themen, Filme oder Filmauszüge) zum Einsatz, um die Konkretisierung und Veranschaulichung der Lehrplaninhalte zu unterstützen.

 

Zusätzliche Veranstaltungen

Punktuell ergeht Einladung an externe Referenten, so zum Beispiel bereits zweimal an die Ethikkommission der Medizinischen Fakultät der Universität Frankfurt wie auch an Referenten zum Thema Recht und Gerechtigkeit: Zu den Mauerschützenprozessen. 

Die vom Fach Ethik unabhängige IFA „Plant for the Planet“  und im Schuljahr 2015/16 stattgefundene Akademie zur Ausbildung von Klimabotschaftern (Frau Mavroidi) unterstützt den Themenkreis Umwelt, der im Lehrplan eine wichtige Rolle spielt.

Ein Projekt zum Thema Rassismus (durchgeführt auf Jahrgangsstufe 9 im Schuljahr 2015/16) mündete in den Besuch von Mo Asumang am 9/10.11.2016, so dass das ursprüngliche Projekt vertieft und erweitert werden konnte. 

Weitere Initiativen (Fair Trade), auch in Zusammenarbeit mit dem Team der ISE,  sind in der Entwicklung.

 

Für die Fachschaft Ethik, Heike Schäfer